Kreditkarte als Reiseversicherung: was wirklich drin ist

Ein Reiseschutz über die Kreditkarte ist echt, aber er ist an Bedingungen gebunden, die im Kartenvertrag stehen und nicht in der Werbung: die Reise muss meist ganz oder überwiegend mit dieser Karte bezahlt worden sein, der Schutz gilt nur für eine begrenzte Reisedauer, und die Deckungssummen liegen in der Regel deutlich unter denen einer eigenständigen Police. Der medizinische Rücktransport ist die Position, an der der Unterschied am größten wird.

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Der Reiseschutz über die Kreditkarte ist die günstigste Deckung, die es gibt: sie ist im Kartenbeitrag schon bezahlt. Sie ist auch die, über die am wenigsten gelesen wird, und die drei Punkte, die sie einschränken, stehen alle im selben Dokument.

Die Bedingung, die den Schutz zuerst kostet

Fast jeder Kartenvertrag verlangt, dass die Reise mit dieser Karte bezahlt wurde, ganz oder zu einem festgelegten Anteil. Das ist die Klausel, an der der Schutz im Schadenfall am häufigsten scheitert, weil sie nichts mit der Karte zu tun hat, sondern mit der Buchung: ein Flug über ein Punkteprogramm, eine Anzahlung mit einer anderen Karte, eine Buchung über den Reiseveranstalter des Partners, und der Schutz für diese Reise besteht nicht.

Die zweite Grenze ist die Dauer

Die einzelne Reise ist in der Regel begrenzt, häufig auf 30 bis 90 Tage. Bei einer Rundreise oder einem längeren Aufenthalt endet der Schutz mitten im Aufenthalt, und niemand weist darauf hin. Wer länger unterwegs ist, braucht entweder eine Jahrespolice oder eine eigenständige Deckung für diese Reise.

Die dritte ist die Deckungssumme, und sie entscheidet

Die Grenzen der Kartenverträge liegen meist deutlich unter denen einer eigenständigen Police. Beim medizinischen Rücktransport wird der Abstand am größten, und das ist bei jedem Reiseziel die teuerste Position. Für eine Reise in ein Land mit hohen Behandlungskosten ist die Karte damit eine Grundlage, aber selten die ganze Antwort.

Ein gelesener Kartenvertrag, als Maßstab

Die drei Grenzen oben lassen sich an einem Vertrag nachprüfen, dessen Bedingungen öffentlich stehen. Bei der American Express Platinum und Gold Card sind Heilbehandlungskosten und Krankenhausaufenthalt unbegrenzt gedeckt, also weiter als bei den meisten eigenständigen Policen dieser Erhebung. Dafür treffen alle drei Einschränkungen zu, und zwar deutlich: fast jede Leistung gilt nur mit Einsatz der Karte, die Reise ist auf 120 Tage bei Platinum und 62 Tage bei Gold begrenzt, und vom erstattungsfähigen Schaden bleiben 10 Prozent bei Ihnen, mindestens 100 und höchstens 500 Euro. Der Risikoträger heißt dort nicht American Express, sondern Chubb European Group SE: American Express ist Versicherungsnehmer einer Gruppenversicherung, und diese kann ohne Einverständnis der Karteninhaber beendet werden.

Was zu tun ist, in dieser Reihenfolge

  1. Die Versicherungsbedingungen der Karte öffnen, nicht die Produktseite. Verbindlich ist nur das erste Dokument.
  2. Die Zahlungsklausel prüfen: welcher Anteil der Reise mit dieser Karte bezahlt sein muss.
  3. Die Reisedauer prüfen und mit der geplanten Reise vergleichen.
  4. Die Deckungssumme mit der Kostentabelle des Reiseziels vergleichen, und dabei mit dem Rücktransport anfangen.
  5. Erst dann entscheiden, ob eine eigenständige Police dazukommt, und für welche Positionen.

Was eine eigenständige Police an dieser Stelle kostet

Bei den Verträgen, deren Bedingungen wir gelesen haben, steht der Beitrag manchmal im Dokument selbst, und dann ist der Vergleich mit einer Karte einfach. Der ARAG Reisekrankenschutz nennt eine Jahresprämie von 15,00 Euro bis Alter 49, der Generali Tarif Reise 19,50 Euro pro Jahr unter 70, und die Provinzial Auslandsreise-Kranken 11,50 Euro pro Person und Versicherungsjahr bis Alter 64. Alle drei haben, anders als die meisten Karten, keine Betragsgrenze für die Heilbehandlung.

Wer statt der Krankendeckung die Stornoposition absichern will, findet bei Europ Assistance das seltene Gegenteil der üblichen Kürzungsklausel: bis 15 000 Euro pro Person, und der Versicherer verzichtet ausdrücklich darauf, bei Unterversicherung anteilig zu kürzen. Genau diese Kürzung ist bei Kartenleistungen und bei mehreren Jahresverträgen der Punkt, an dem die Erstattung kleiner ausfällt als die Rechnung.

Die Gegenrechnung gehört dazu. Der günstigste Beitrag geht mit dem niedrigsten Bergungsdeckel einher: 2 500 Euro bei Generali, 10 000 Euro bei Provinzial und ARAG, gegen 25 000 Euro bei LVM. Für eine Bergung im Gebirge entscheidet diese Zeile mehr als der Jahresbeitrag.

Häufige Fragen

  • Ist über die Kreditkarte wirklich eine Reiseversicherung enthalten?
    Bei vielen Karten der höheren Kategorien ja, und der Schutz ist keine Werbung: er beruht auf einem Gruppenvertrag zwischen dem Kartenherausgeber und einem Versicherer. Der Umfang steht in den Versicherungsbedingungen, die zum Kartenvertrag gehören und die nur dort verbindlich sind.
  • Welche Bedingung stellen die Karten fast immer?
    Dass die Reise mit dieser Karte bezahlt wurde, ganz oder zu einem festgelegten Anteil. Wer den Flug über ein Punkteprogramm oder mit einer anderen Karte bezahlt, verliert den Schutz für diese Reise, auch wenn die Karte gültig ist und der Beitrag läuft.
  • Reicht der Schutz der Kreditkarte für eine Fernreise?
    Das entscheidet die Deckungssumme, nicht die Karte. Die Grenzen der Kartenverträge liegen in der Regel deutlich unter denen einer eigenständigen Police, und der medizinische Rücktransport ist die Position, an der der Abstand am größten wird. Für ein Reiseziel mit hohen Behandlungskosten ist das der Punkt, der zu prüfen ist.
  • Sind Mitreisende über die Karte mitversichert?
    Nicht automatisch. Manche Verträge schließen Partner und Kinder ein, andere nur den Karteninhaber, und manche nur, wenn die Mitreisenden auf derselben Rechnung stehen. Für eine Familienreise ist das die erste Frage, nicht die letzte.
  • Wie lange gilt der Reiseschutz einer Kreditkarte?
    Fast jeder Kartenvertrag begrenzt die einzelne Reise, häufig auf 30 bis 90 Tage. Bei einer längeren Reise fällt der Schutz mitten im Aufenthalt aus, und zwar ohne Hinweis. Die Zahl steht in den Bedingungen der jeweiligen Karte.